Das 20.Jahrhundert wurde gezeichnet durch die butigen Kriege verschiedener nationalistischer Bewegungen. Das Kaiserreich Oesterreich und das Koenigreich Italien stiessen dabei wegen ihrer unterschiedlichen Bestrebungen aneinander: auf der einen Seite versuchte man, die nationale Einheit Italiens durch die Eingliederung der italienischsprachigen Gebiete (darunter auch das Trentino) im sogenannten „Irredentismus“ zu vollenden. Auf der anderen Seite versuchte man, gerade diese Einheitsbestrebungen zu unterbinden.
Nach 1866 war Venezien an Italien uebergegangen und diese veraenderte geo-politische Situation draengte beide Seiten dazu, im Trentino aufzuruesten. Besonders ab 1908 wurde ein nach modernen Massstaeben konzipiter Verteidigungsriegel im Bereich der strategisch bedeutenden Hochebene von Folgaria, Lavarone und Lusern gebaut.
Das Ergebnis dieses Baueifers konnte nur eines sein: der Krieg. Der erste Kannonenschuss wurde von der Stellung Fort Verena auf italienischer Seite am 24 Mai 1915 um 3:55 Uhr abgefeuert.
Von diesem Moment an sollte ein Feuersturm ueber die Hochebenen hergehen. Die Bewohner wurden in Eile evakuiert, dazu gezwungen, nur die noetigsten Habseligkeiten mitzunehmen und Haus und Hof zu verlassen. Zusammengedraengt auf Waggons wurden die Fluechtlinge von den Bahnhoefen Calliano und Caldonazzo aus nach Boehmen umgesiedelt, nach Moravien, in die Barakenlager in Mitterndorf, nach Katzenau und nach Braunau, zu den sogenannten „Staedten aus Holz“.
Zwischen Mai und Oktober des Jahres 1915 waren die kriegerischen Auseinandersetzungen besonders gewaltig. Zeugnis davon legen die drei Soldatenfriedhoefe in Folgaria, Lavarone und Lusern ab. Die Kriegshandlungen wurden nach dem Winter auf Iniziative des Generals Konrad von Hötzendorf wieder aufgenommen. Dieser hatte bereits an der Ausfuehrung einer Grossoffensive gearbeitet, welche die italienische Front aufbrechen und es den eigenen Truppen erlauben sollte, in die Flanken des koeniglichen italienischen Heeres einzufallen. Am 15 Mai 1916 um 6:00 Uhr morgens erhielten die Kaiserjäger und die Infanterie des Regiments Rainer aus dem Sektor Folgaria den Befehl, anzugreifen und die italienischen Verteidigungsstellungen auf der Linie des Monte Maggio, Pioverna und Costa d'Agra auszuheben. Diese Operation, die den Frontverlauf auf die venezianisch-vizentinischen Huegel verschob, sollte unter dem Namen „Strafexpedition“ in die Geschichtsbuecher eingehen. Das Ziel der Offensive wurde aber nicht erreicht. Die Front konnte nicht stabilisiert werden und auf den Hochebenen, die nun nicht mehr im Brennpunkt der Kriegsgeschehnisse lagen, trat eine relativer Frieden ein, der bis November 1918 dem Ende des Konfliktes und bis zum endgueltigen Einmarsch der italienischen Truppen und der Rueckkehr der Fluechtlinge dauerte.





