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FESTUNG
Belvedere -
Werk Gschwent
Einleitung
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„Damals
lief das Leben auf der Hochebene ruhig ab; die Bevölkerung lebte
bescheiden, ja ärmlich, so dass oft nur die Auswanderung Aussicht auf
ein besseres Leben bot. Die Grenze durchtrennte einen Teil des Gebiets,
und in Rom oder in Wien war ihr Verlauf Gegenstand bemerkenswerter
Diskussionen, die sich um den Besitz oder Nichtbesitz von Cima Dodici
oder Cima Mandriolo drehten. Die Bevölkerung interessierte sich
praktisch nicht für diese technischen Details, vielmehr war sie von
einem blühenden Schmuggel mit den Trentinern des Valsugana oder der
Hochebene von Lavarone ganz in Anspruch genommen“.
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So beschreibt Andrea Grandotto, Pfarrer von
Cesuna (Ort der Asiago Hochebene, in der Nähe von Lavarone) das Leben in
diesen Gegenden Anfang des vorigen Jahrhunderts. Leider änderte sich das
ruhige Leben jener Jahre, als die eskalierende diplomatische Krise
zwischen dem Königreich Italien und dem Kaiserreich Österreich-Ungarn
die Stabilität und die Aussicht auf den Bestand des Friedens ins Wanken
brachte.
Die Lage war nunmehr die eines bewaffneten
Friedens, und beide Staaten hielten einen Krieg für möglich. In jenen
Jahren begannen die Regierungen in Wien und in Rom, die Taktiken und die
Strategien für einen nunmehr allzu wahrscheinlichen Krieg zu planen. Das
war aber nur die Spitze des Eisbergs. |
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Ab 1860 wurden die Grenzen und
die strategischen Stellen des Trentino über einen Zeitraum von fünfzig
Jahren hinweg durch den Bau von Festungen militärisch stark befestigt,
die diese Gegend zu einer der bewaffnetsten Europas machten.
Bereits Anfang des 19.
Jahrhunderts hatten die Österreicher im Zuge der Feldzüge Napoleons
daran gedacht, die Hauptzugänge zum Kaiserreich zu befestigen: Damals
entstanden komplexe Panzerwerke in der Talsohle der Etsch (Rückgrat de
Region), in Franzensfeste (Eisacktal), in Rivoli (Etschtal) und gleich
nördlich von Verona.
Unter der anfänglichen Leitung
des Generals Franz Kuhn wurde mit der ersten der drei Phasen begonnen,
in die die Erhöhung der Verteidigungsstärke des Trentino eingeteilt
worden war; sie erfolgte durch den Bau von Festungen und Straßensperren.
Von Anfang an wurden die Gegenden des oberen Val di Sole, der Judikarien
und des oberen Gardasees verstärkt. |
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In den zwanzig Jahren zwischen
1876 und 1895 wurde das Hauptaugenmerk auf die Befestigung der Stadt
Trient und auf den Bau von etwa zwanzig kleineren, längs der Ostgrenze
der Provinz verstreuten Werke gelegt.
Die dritte und letzte Phase
dauerte von 1900 bis zum Ausbruch des Krieges mit Italien und wurde von
dem Strategen Franz Konrad von Hötzendorf geleitet.
Die
neuen Werke waren die Spitzenprodukte der damaligen Militärtechnik. Ihre
Struktur bestand ganz aus Beton, in den Eisenträger versenkt worden
waren, mit Abdeckungen, die auch
über drei Meter dick sein
konnten. Jede dieser
Festungen war mit Frontpanzern
und 250 mm dicken Drehkuppeln (aus Stahl) ausgestattet, auf denen
Turmhaubitzen und Kanonen zur Nahverteidigung Platz finden konnten. |
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Zwischen 1908 und 1914 wurden
auf den Hochebenen von Folgaria, Lavarone und Lusern sieben mächtige
Werke errichtet, die jeweils bis zu 300 Soldaten Platz boten, die Trient
an einem der Punkte verteidigen konnten, an denen ein Durchbruchsversuch
der italienischen Truppen am wahrscheinlichsten war.
In der Nähe von Lavarone wurden
das Werk Gschwent
errichtet, das heute eher als Festung
Belvedere bekannt ist.
Es wurde von dem Leutnant des Pionierkorps Ing. Rudolf Schneider geplant
und zwischen 1908 und 1912 auf einem Kalkfelsensporn steil über dem
Valdastico 1177 m ü.d.M gebaut. Technisch wurde die Festung aus sechs in
den Berg gehauenen Blöcken errichtet: der Kasematte, der Batterie in
vorgeschobener Stellung, einem Kontereskarpe-Werk im Graben und drei
gepanzerten Vorposten. |
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Von den Ausmaßen her gehört die Festung Belvedere zu
den größten je gebauten Werken.
Auf seine Widerstandsfähigkeit auch bei härtesten
Bombardierungen getestet, wurden seine Anlagen mit Abdeckungen aus drei,
insgesamt 400 mm dicken Eisenträgerschichten gebaut, die in über 2 Meter
tiefen Stahlbetonguss eingelassen waren.
Ebenso wie die anderen Festungen der Hochebene wurde
die Festung Belvedere entworfen, um, vollkommen auf sich selbst
gestellt, Bombardierungen auszuhalten, die bis zu 100 Tagen dauern
konnten, wobei sie auch über eine Wasserleitung und über ein internes
Kraftwerk verfügte. |
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Dank einer Garnison von insgesamt 220 Mann unter
dem Kommando von Anton Perschitz
(der später durch Fritz Trakl
ersetzt wurde) und einer Bewaffnung, die aus 3 10 cm Turmhaubitzen und
22 Maschinegewehren bestand, konnte sie diese Aufgabe trotz der
erlittenen Verluste vollkommen erfüllen.
In der ersten Nachkriegszeit ging
die Festung in den Besitz des italienischen Staats über, der sie über
einen langen Zeitraum hinweg an die Gemeinde untervermietete. Im
Unterschied zu den anderen Festungen der Hochebene wurde die Festung
Belvedere aufgrund königlichen Dekrets Viktor Emanuels III. vor dem
Abriss bewahrt, den die faschistische Regierung im Zeichen der Autarkie
angestrengt hatte. |
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Dennoch wurde am 2. November 1940
mit einem partiellen Abriss des Werks begonnen: Die Panzerkuppeln wurden
entfernt, die Haubitzentürme beschädigt, die erste Eisenträgerschicht
aus den Abdeckungen gezogen, die Metallverkleidung des Dachs entfernt
und viele Anlagen beschädigt.
Nach dem
zweiten Weltkrieg ging die Festung in den Besitz der Region Trentino
Südtirol über und wurde 1966 von einem Privatmann erworben, der es
weitblickend teilweise wiederherstellte und in ein Museum umwandelte. |
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